Von A bis Z

 Armvortrittslinie? Brennprobe? Chemiefaser aus natürlichen Polymeren? Durchbrochene textile Fläche? Fast Fashion? Green Fashion? Haute Couture? Kurzgröße? Links auf Rechts? Multimomentaufnahme? Nassappretur? Projektstrukturplan? Querzeichen? Rückenbegrenzungslinie? Stoffdrückerstangenhebel? Technische Werkzeichnung? Untertritt, Übertritt? Vordere Mitte? Z-Grat-Köper?

 Ein Kleidungsstück nähen – Stoff, Schnitt, Nähmaschine und schon ist es fertig? Nun, ganz so einfach ist es nicht. Dass viel mehr dahintersteckt, möchte ich dir heute zeigen.

Von der Idee bis zum fertigen Kleidungsstück sind es viele Überlegungen und Arbeitsschritte. Welche Ideen für Entwürfe gibt es – welches Design, welche Silhouette, welche Stilrichtung, welche Farben? Welcher Stoff hat passende Eigenschaften? Für wen soll es sein? Welchen Figur-Typ hat diese Person? Wie sind deren Proportionen? Welcher Schnitt ist dafür ideal? Wie verlaufen die Nahtlinien? Was für Material ist neben dem Stoff noch nötig? Wie ist der Schritt-für-Schritt Arbeitsablauf? Welche Näh-, Bügel- und Spezial-Maschinen werden benötigt? Welcher Stich-Typ ist am besten geeignet? Welche Verarbeitungstechniken sollen eingesetzt werden?

 DESTH? EMZ? SGM? TT? PROZ? FERT? PQM? … WTF?

  Das nötige Know-How, sowie sämtliche Fähigkeiten und Fertigkeiten werden in der Ausbildung an Modeschulen in Österreich vermittelt. Noch vor Kurzem habe ich als Mode- und Designpädagogin an einer Wiener Modeschule unterrichtet.

Um einen Einblick in die vielfältigen Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Schneiderin zu bekommen, gebe ich hier ein Überblick darüber, welche Bereiche die Ausbildung umfasst.

Designtheorie, Modegeschichte und Trendforschung (DESTH) bildet die Grundlage für die gesamte Ausbildung. Von der Antike über Barock und Rokoko bis ins 20. Jahrhundert wird historische Bekleidung nach ihren Charakteristika, stilistischen Elementen, Silhouetten und Materialien unter die Lupe genommen. Ebenso spielt der historische Hintergrund, wie Schönheitsideale und gesellschaftliche Rollenbilder eine große Rolle. Die Entwicklung der Modegeschichte von der Haute Couture über Prêt-à-Porter hin zu Massenmode wird betrachtet. Ein weiterer Baustein ist die Trendforschung und -analyse.

Der Entwurf- und Modezeichnen (EMZ) Unterricht lehrt das Erkennen von Grundformen der Kleidung und der Körper-Proportionen. Das Zusammenspiel von Form, Material, Farbe und Schnitt wird in Skizzen, Entwürfen, Modeillustrationen und Modegrafiken umgesetzt. Maßstabsgetreue, detaillierte Technische Zeichnungen (Werkzeichnungen) werden auf Basis von Entwürfen entwickelt.

 Mit Hilfe von EDV-Programmen wie Koppermann TexDesign und TexLine oder Photoshop und Illustrator werden Modeillustrationen und -grafiken sowie technische Werkzeichnungen am Computer angefertigt.

Der Gegenstand Schnittzeichnen, Gradieren und Modellgestaltung mit CAD (SGMD) ist meine absolute Lieblingsdisziplin. Es geht darum, Körpermaße zu erfassen und ein Verständnis für gute Linienführung und Proportionen zu entwickeln. Entwürfe, Modebilder und Technische Werkzeichnungen werden in Schnittbilder umgesetzt und zu Schnittschablonen weiterentwickelt. Basierend auf den konstruierten Grundschnitten werden komplexe Modellschnitte entwickelt.

 Auch hier wird computerunterstützt gearbeitet. Mit CAD-Schnittkonstruktions-Programmen, wie beispielsweise “Grafis”, werden ebenso Schnitte konstruiert, modifiziert, gradiert und ausgewertet.

 

 Für die Auswahl eines passenden Stoffes für ein Nähprojekt ist das Wissen um die Verarbeitungs-, Trage- und Pflegeeigenschaften von Stoffen nötig. Das Wissen über Fasern und Stoffe, sowie deren Aufbau, Zusammensetzung und Eigenschaften wird im Gegenstand Textiltechnologie (TT) zusammengefasst. Es beginnt beim chemischen Aufbau von Natur- und Chemiefasern und umfasst weiters Spinn- und Herstellungsverfahren, Bindungen, Veredlungsverfahren, sowie Druck- und Färbetechniken. Durch eine textiltechnologische Materialanalyse können sämtliche Eigenschaften von Fasern, Garnen und textilen Flächen ermittelt werden.

Der Gegenstand Prozessgestaltung und Prozessdatenmanagement (PROZ) befasst sich mit Fertigungsplanung und Arbeitsorganisation nach der REFA-Methodik. Hierbei geht es um menschengerechte Arbeitsgestaltung, Aufbau- und Ablauforganisation eines Bekleidungsbetriebes, Analyse von Arbeitsabläufen und Gestaltung von umfassenden Produktionspapieren (Arbeitsplänen). Anhand von verschiedensten Datenermittlungsverfahren werden Arbeitsabläufe analysiert, Daten gesammelt und Prozesse neugestaltet.

Zur computerunterstützen Produktionsplanung und -steuerung wird das EDV-Programm “Microsoft Navision” eingesetzt.

Im fachpraktischen Werkstätten-Unterricht, Fertigungsverfahren und Verarbeitungstechnik (FERT), werden Werkstücke, wie Röcke, Blusen, Hosen, Kleider, Korsagen und festliche Kleidungsstücke, sowie Jacken und Mäntel, angefertigt. Die Grundlage bildet das Wissen um die Technologie der Bekleidungsmaschinen, d.h. über den Aufbau, die Funktion, die Bedienung und den Einsatz von Näh-, Zuschneide-, Bügel- und Fixiermaschinen. Zu Beginn dienen technische Detailarbeiten dazu, Verarbeitungstechniken vorerst auf einem einzelnen Probestück (Stoffstück) zu üben (z.B.: Einnähen eines Reißverschlusses). Erst danach werden die erlernten Fertigkeiten in Werkstücken (Kleidungsstücken) angewendet (z.B.: Rock mit Reißverschluss-Verarbeitung). Beginnend mit Werkstücken aus leicht zu verarbeitenden Materialien und einfachen Verarbeitungstechniken, steigert sich der Schwierigkeitsgrad von Jahr zu Jahr hin zu Werkstücken aus anspruchsvollen Materialien und komplexen Verarbeitungstechniken. Damit einhergehend werden die Arbeitsabläufe an Hand von Produktionspapieren (Arbeitsplan) geplant, erfasst und umgesetzt und nach Qualitätskriterien beurteilt.

Projektarbeiten dienen dazu die Arbeit als ModedesignerIn von der ersten Skizze bis zur Präsentation der Kollektion in der Praxis zu üben. Der Aufbau eines solchen Projektes und die Schritte von Projektstart, -planung, -steuerung bis hin zur Projektdurchführung werden im Gegenstand Projekt- und Qualitätsmanagement (PQM) mit professionellen Projektmanagement-Methoden erarbeitet.

 Sehr Gut, Setzen!

Der Abschluss dieser Grundausbildung war für mich der erste Schritt auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Viele Nähprojekte und Maßanfertigungen später entschied ich mich für die Absolvierung der Meisterprüfung. Davon erzähle ich dir ein andermal mehr.

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